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Aktuelle Meldungen der WBS SCHULEN.

Wenn die Pflegerin aus Vietnam kommt


Sächsische Zeitung berichtet über Auszubildende der WBS SCHULEN

Thi Phuong Tran hat den Lehrerjob aufgegeben, um Altenpflegerin zu werden. Ist Zuwanderung eine Chance gegen Personalmangel?

Eigentlich ist Thi Phuong Tran Physiklehrerin. Doch in ihrer Heimat Vietnam fand sie lange keinen Job. Zu Hause sitzen, erfüllte sie nicht, und sie entschied sich für ein Abenteuer. Neues Land und ein neuer Beruf. Sie tauschte Hanoi gegen Dresden und die Tafel gegen den Kittel und entschied sich für eine Ausbildung als Altenpflegerin. „Ich suchte eines Tages im Internet und fand den Deutschkurs, der in Hanoi angeboten wurde, dafür meldete ich mich spontan an“, erzählt die 26-Jährige.

Seit September 2018 ist sie jetzt in Deutschland und seit März lernt sie bei den Dresdner Johannitern den Beruf und kümmert sich gemeinsam mit ihrer Chefin Dominique Eisold um die Patienten. Drei Tage Praxiserfahrung und zwei Tage Berufsschule in der Woche – das ist ihr Rhythmus. Zu den Aufgaben der mobilen Altenpfleger der Johanniter gehören Frühstück machen, Waschen und Medikamentengabe. Rund 25 Patienten pro Tag betreuen die Altenpfleger. „Wir sind froh, dass wir Thi gefunden haben, denn es fehlt Personal in unserer Branche“, sagt Eisold, die die ambulante Pflege leitet. „Stellen können wir meist besetzen, aber es kommen zu wenig Azubis nach“, sagt sie. Deshalb wagen sich die Johanniter auf ungewöhnliche Wege und bilden nun auch die Vietnamesin aus. Die Zahlen der Pflegeazubis in Sachsen sind seit fünf Jahren allerdings relativ konstant, so das Sozialministerium. Begannen 2015 1654 junge Menschen die Ausbildung, waren es 2018 auch 1692 in ganz Sachsen. Allerdings gibt es laut Arbeitsmarktbericht der Arbeitsagentur Engpässe bei der Besetzung von Stellen. Für den Bereich der Altenpflege waren im März 2019 in Sachsen 765 offene Stellen gemeldet, dem gegenüber stehen nur 118 arbeitslose Fachkräfte. So kamen auf 100 offene Stellen rechnerisch lediglich 15 arbeitslose Altenpflegefachkräfte. Bis zur Besetzung einer Stelle dauerte es im Durchschnitt 190 Tage, so die Arbeitsagentur.

Der Bedarf und die Anforderungen steigen
Das Ministerium sieht den Beruf des Altenpflegers doppelt betroffen von der demografischen Entwicklung. Mit dem Alter der Bevölkerung steige auch die Nachfrage nach professioneller Pflege. Das bestätigt auch der Berufsverband für Altenpflege und spricht von zunehmender Arbeitsverdichtung bei zu geringer Personaldecke mit sehr hoher psychischer, körperlicher und seelischer Belastung. Außerdem würden Zeitdruck, unregelmäßige Arbeitszeiten und viel administrative Tätigkeit die Mitarbeiter extrem fordern. Weiter- oder Fortbildungen seien dringend nötig, würden aber zu selten finanziert. Der Beruf des Altenpflegers erfahre außerdem zu wenig Anerkennung. Ein großes Problem ist die Bezahlung. „Was die Vergütung anbelangt, gibt es innerhalb der Pflegeberufe eine große Ungleichheit“, so Sabine Karg vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe.
Das Problem Fachkräftemangel kennt auch Ulrike Peter vom Deutschen Roten Kreuz in Dresden, das mehrere Altenheime betreibt. „In unseren Dresdner Heimen und auch in der ambulanten Pflege füllen wir seit zwei Jahren offene Stellen mit Zeitarbeitern auf, da es nicht genügend Pflegepersonal auf dem freien Arbeitsmarkt gibt.“ Sie beschäftigt rund 175 Mitarbeiter in der Pflege. Der Personalschlüssel sei nicht ausreichend und aufgrund der vielen an Demenz erkrankten Bewohner und den steigenden Anforderungen an Qualität und individuelle Betreuung brauche sie dringend mehr Leute.

Mühselige Anerkennung von Abschlüssen
Auf die Frage, ob Zuwanderung ähnlich wie bei den Johannitern eine Lösung wäre, nennt sie auch damit einhergehende Probleme. In der stationären Pflege arbeiten beim DRK Dresden Menschen aus 20 Nationen fast ausschließlich als Hilfskräfte. „Den Beruf Altenpfleger als Fachkraft gibt es in anderen Ländern meist nicht – nur Krankenschwester“, so Peter. Für die Fachkraftquote seien Krankenschwestern aus anderen Ländern nur bedingt eine Lösung, da die zugewanderten Krankenschwestern teilweise erst ein mühseliges Anerkennungsverfahren durchlaufen müssten und danach lieber in Krankenhäusern arbeiten.
Dass Zuwanderung nur zum Teil eine Lösung seine könnte, bestätigt auch Ulrike Novy von der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Bei der Awo arbeitet nur eine ausländische examinierte Pflegefachkraft in Dresden, allerdings rund 20 Pflegehilfskräfte und Auszubildende. „Leider können wir vielen Bewerbern mit Migrationshintergrund keine Ausbildung oder Beschäftigung ermöglichen, weil die formellen Voraussetzungen fehlen und die Genehmigung durch die Behörden mehrere Monate in Anspruch nimmt“, so Novy.
Größtes Hemmnis in der täglichen Arbeit sei die Sprachbarriere. Auch Thi Phuong Tran lernt fleißig immer weiter Deutsch. Der tägliche Kontakt mit Kollegen, Patienten und ihren Mitbewohner hilft dabei. „Meine Arbeit macht viel Spaß, nach der Ausbildung will ich weiter in dem Job arbeiten“, sagt sie.

Hier sehen Sie den Originalartikel der Sächsischen Zeitung vom 19. Mai.

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